Anna

Text: Denise Neher

Foto: Bernhard Poscher

Innsbruck, Mai 2023

Anna wurde 2022 zur Miss Alpin gekürt. Befürchtungen, wonach sie bei einer Miss-Wahl Neid und Zickereien erleben würde, haben sich nicht bewahrheitet, ganz im Gegenteil.


Als Anna Horngacher auf der Bühne das Krönchen der Miss Alpin-Wahl aufgesetzt bekommt, schaut sie zu ihrer Oma im Publikum und sieht, dass sie vor Freude weint. Es war auch ihre Oma, die sie dazu bewegt hat, sich bei der Miss Alpin Wahl anzumelden. „Meine Oma hat gemeint, bei einer Miss-Wahl kann ich lernen, ein bisschen aus mir rauszugehen“, erklärt Anna. Wenn sich die 21-jährige an den Herbst 2022, zurückerinnert, glänzen ihre großen, haselnussbraunen Augen: „Da hatte ich eine Phase, in der mir einfach alles aufgegangen ist.“ Während ihrer Teilnahme bei der Miss Alpin-Wahl erfüllt sie sich den Traum vom eigenen Pferd und auch sonst läuft damals alles rund.


Anders als früher

Beim Thema Miss-Wahl kommt unweigerlich die Frage auf, ob das nicht aus der Zeit gefallen ist, wenn Frauen bei einem Wettbewerb ihre Schönheit auf dem Laufsteg bewerten lassen? „Wenn es einen Bikinidurchgang gegeben hätte, hätte ich nicht mitgemacht. Aber stattdessen gab es einen Sport-Durchgang“, erklärt Anna entschlossen und streicht sich eine lange Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie erzählt, dass die Miss Alpin-Wahl anders aufgezogen ist, als viele meinen würden. Das Aussehen soll nicht im Vordergrund stehen, vielmehr ginge es um die Persönlichkeit und die „Mission“ der Teilnehmer:innen. Alle Mädchen mussten sich karitative Projekte überlegen, die drei Erstplatzierten setzen diese auch um. Anna war schon vor der Misswahl durch ihre Mutter, eine Behindertenbetreuerin, sozial engagiert. „Ich bin damit aufgewachsen, Menschen mit Handicaps zu betreuen, auch durch meine Mithilfe bei den Therapiepferden“, erklärt Anna.

Annas Leidenschaft sind die Pferde. Bei ihrer Lina ist sie jeden Tag.


Das Glück auf dem Pferde-Rücken

Annas Leidenschaft ist nicht unbedingt das Modeln, es sind vielmehr die Pferde. Die Wattenerin ist jeden Abend im Reitstall bei ihrer „Lina“. Tagsüber arbeitet sie im Büro beim Tiroler Skilehrerverband in Innsbruck. Sie hatte keine Erwartungen an den Miss-Titel, daher ist sie auch keineswegs enttäuscht, dass sich ihr Leben kaum verändert hat. „Ich dachte, dass ich als Miss Neid und Missgunst erleben würde und bin so positiv überrascht, dass das gar nicht so war.“ Anna hat keine einzige negative Reaktion auf ihre Teilnahme oder ihren Sieg erlebt. „Es gab unter den Teilnehmer:innen überhaupt keinen Konkurrenzkampf. Denke, die Zeiten von zickigen Mädchen sind sowieso vorbei“, lächelt Anna. Gern denkt sie an den Spruch „Starke Frauen stärken Frauen“.

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